POETRY SLAM --- Made in Dentlein

Vertrauen
Ein Wort wie jedes andere auch – beim ersten Hinschauen.

Auf den zweiten Blick frage ich mich, was Vertrauen eigentlich ist,
wo es ernst gemeint und wo es billig erscheint.

Ich merke, dass mein Vertrauen Risse hat,
mit Zweifeln dekoriert, alles andere als stabil.

Was heißt es also, wenn ich sage, ich vertraue Dir?
Ich nehme meine Macht und gebe sie Dir.

Ich lasse los, setze auf Dich,
in der Hoffnung nicht enttäuscht zu werden und öffne mich.

Das ist das Risiko, das in Vertrauen steckt,
mich immer wieder neu abschreckt und die Sicht verdeckt.

Aber genau hier liegt die Chance, um Schritte zu gehen.
Denn Vertrauen ist die Basis, um weiterzubauen, um weiterzuschauen,
um neu zu verstehen, weiterzusehen und Beziehungen einzugehen.

Vertrauen öffnet Türen, Neues zu wagen und auszuprobieren.
Vertrauen ist mehr als ein bloßes Studieren.
Vertrauen heißt Beziehung, meint tun, meint Distanz verlieren.

Vertrauen ist eine Entscheidung, ein Ja zu Dir.
Und wenn mein Vertrauen nicht reicht, sagst Du ja zu mir.

(Julia Winkel, 2020)

Mehr Slams von Julia Winkel auf Ihrem YouTube-Kanal.

 

Gott,
wer bist du?
Und wenn ja wie viele?
Viele Wege führen nach Rom. Aber welcher zu dir?

Gott, wer glaubt noch?
Und sind die, die glauben glaubwürdig?

Christentum – das klingt alt
nach Institution, eng und kalt.
Und Religion? – Bloß nicht! Halt! Ist Religion nicht die Quelle von so viel Gewalt?
Ja, und Wahrheit. Das ist doch nur ein anderes Wort für Intoleranz – nicht wahr?
Trifft Wahrheitsanspruch auf Macht, dann heißt es bald:
Wir haben Recht! Wer anders denkt, den machen wir kalt.

Schreit das nicht zum Himmel?
Oder schreit der Himmel nicht vielleicht selbst? –
über eine Menschheit, die alles liebt, was ihr gefällt,
– nur eben nicht die Wahrheit.

Die Wahrheit hat Hand und Fuß
und doch wird sie mit Füßen getreten
bespuckt und ans Kreuz geschlagen.
Die Wahrheit hat durchbohrte Hände und Füße.

Gott als Quelle der Gewalt? Seht auf die gekreuzigte Gestalt!
Das Kreuz spricht Bände
Gott erleidet Gewalt durch Menschhände
Der Mensch will dich nicht, Gott. Für ihn bist du tot.
Und doch: Für ihn bist du gestorben.

(Patrick Nagel, 2015)

 

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